30.12.06

Duke Nukem Forever - bald zehn Jahre

Vor kurzem wurden die Vaporware-Awards 2006 verliehen - und der verdiente Platz 1 heißt (wieder einmal) Duke Nukem Forever. Vermutlich werden sich nun einige Leser fragen, warum sie dieses preisgekrönte Spiel nie gespielt haben. Die Antwort ist ganz einfach: das Spiel gibt es noch nicht. Es ist seit 1997 angekündigt, ohne je auf den Markt gekommen zu sein. Nicht einmal spielbare Betaversionen gibt es. Damit dürfte Duke Nukem Forever einen Rekord aufgestellt haben, den so schnell niemand einholen dürfte. Als Termin auf der offiziellen Website heißt es nur lakonisch: "When it's done". Die Zeile ist inzwischen in IT-Kreisen zum "running gag" geworden. Außerdem hat es dem Spiel schöne Spitznamen wie "Duke Nukem Fornever" oder "Duke Nukem Whenever" eingebracht.

Im Jahre 2007 feiert die Vorankündigung von Duke Nukem Forever ihren zehnten Geburtstag - ich werde zur Feier dieses Tages ein Kerzlein aufstellen. Ich bin mir sehr sicher: bevor Duke Nukem Forever herauskommt, wird der erste Mensch die Umlaufbahn um einen anderen Fixstern erreichen - oder jemand wird das Stargate erfinden.

Auf dieser wunderbaren Seite sind jede Menge Dinge aufgelistet, die sich ereignet haben, seitdem Duke Nukem Forever 1997 angekündigt wurde. Zum Beispiel sind in diesem Zeitraum sechs Harry-Potter-Bücher erschienen, und ich sehe gute Chancen, dass der siebte Band vor Duke Nukem Forever erscheinen wird.

28.12.06

Sinnspruch, selbst ausgedacht

Love might hit you like a meteor, but true relationships don't fall down from the sky.
Kleiner "Jahresrückblick" 2006

Dies erhielt ich per Mail. Kommentare meinerseits in kursiv eingefügt:
Kleiner Jahresrückblick 2006

Ich möchte allen danken, welche mir Kettenmails während dem ganzen Jahr gesandt haben. Dank Eurem Wohlwollen habe ich folgendes erlebt:

1. Ich las 170 Mal, dass MSN Hotmail mein Konto löschen wird. [Die Mails bekam ich auch. Das Komische daran: ich habe gar kein Hotmail-Konto.]
2. Ich werde zirka 3.000 Jahre Unglück haben und bin bereits 67 Mal gestorben, weil ich nicht alle Mails weitergeleitet habe.
3. Wenn ich aus dem IKEA Laden komme, schaue ich niemanden an, weil ich Angst habe, dass mich jemand in ein Hotel verschleppt, mir Drogen verabreicht, um mir anschließend eine Niere zu entfernen und diese auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.
4. Ich habe sämtliche Ersparnisse auf das Konto von Amy Bruce überwiesen. Ein kleines, armes Mädchen, welches bereits mehr als 7.000 Mal schwerkrank im Spital lag. (Es ist seltsam, aber dieses kleine Mädchen ist seit 1995 immer 8 Jahre alt ...) [Seit elf Jahren im Krankenhaus - das arme Mädchen..]
5. Mein gratis GSM Nokia ist leider auch nie angekommen, sowenig wie all die gewonnenen Gratiseintritte.
6. Ich habe meinen Vornamen Hunderte von Malen, zusammen mit 3.000 anderen auf eine Petition geschrieben und habe damit vielleicht eine bedrohte Spezies von nackten Zwergeichhörnchen aus Weißrussland vor dem Aussterben bewahrt. [Genau, die berühmten weißrussischen Nackthörnchen]
7. Ich kenne das Rezept, welches garantiert, nie mehr einsam zu sein und die ewige Liebe zu finden: Es reicht, den Vornamen einer Person auf ein Papier zu schreiben und ganz fest an sie zu denken. Gleichzeitig muss man sich am Arsch kratzen und die Zeiger einer Uhr im Gegenuhrzeigersinn drehen und das während man um einen Peugeot 404 herumtanzt. (Es ist nicht einfach einen Peugeot 404 zu finden.)
8. Ich habe mindestens 25 Bände über die Weisheiten des Dalai Lama gelesen und mir mindestens 4.690 Jahre Glück und Gesundheit damit angeeignet. [Andere brauchen für sowas einen Zellaktivator.]
9. Nicht zu vergessen, die 50 Male während denen ich meinen Bildschirm Tag und Nacht nach dieser berühmten Nachricht absuchen musste, welche den gefährlichen Virus enthalten sollte, bei dem sogar Microsoft, Mac Affee, Norton Symantec etc. unfähig wären, ihn aufzuspüren und zu neutralisieren ... und welcher in der Lage wäre meine Harddisk zu zerstören, die Stereoanlage, den Fernseher, den Staubsauger und die Kaffeemaschine zu pulverisieren.

WICHTIG: Wenn Du dieses Mail nicht innerhalb 10 Sekunden, an mindestens 8.734 Personen weiterleitest, wird ein aus dem Weltall kommender Dinosaurier, morgen um 17:33 Uhr, Deine gesamte Verwandtschaft auffressen und deinen Hund zu Versuchszwecken auf den Pluto entführen!!!!!

Ich liege jetzt noch auf dem Boden vor Lachen.

22.12.06

Ich bin Arthur C. Clarke!

Wieder mal ein Testergebnis:
I am:
Arthur C. Clarke
Well known for nonfiction science writing and for early promotion of the effort toward space travel, his fiction was often grand and visionary.


Which science fiction writer are you?



Kein Wunder: Für mich gehören "Rendezvous with Rama" und "2001" nach wie vor zu den besten SF-Werken des 20. Jahrhunderts.

Gefunden via Wetterdistel, die übrigens Cordwainer Smith ist.
Unglaublich!

In der Neuen Rheinischen Zeitung schildert Sandra Steup, eine ALG II-Empfängerin, ihre Erfahrungen mit der ARGE Köln. Was in diesem Bericht drinsteht, ist unglaublich und macht mich fassungslos.

Ich gebe zu, dass ich einen Teil des Schreibens nicht nachvollziehen kann: Frau Steup setzt offenbar "Kohleofen" mit "keiner Heizung" gleich. Ich war am Wochenende in einem Haus, das mit Kohle bzw. Holz beheizt wurde - und ich empfand dies alles andere als unbeheizt. Aber dies ist nur eine Randbemerkung. Wichtiger ist für mich das beschriebene Benehmen der ARGE-Sachbearbeiter, das schlicht und ergreifend menschenverachtend ist. Im Artikel sehe ich sogar einige Verstöße gegen die Würde des Menschen (Art. 1 GG), so dass man sogar eine Verfassungsklage in Betracht ziehen könnte. Natürlich kann Frau Steup das höchstwahrscheinlich nicht finanzieren, aber hier könnte sich z.B. die WASG/Linkspartei für Frau Steup stark machen.

(gefunden via MM).
Getarnte Neonazis

Am 23.12. soll in Lippstadt/NRW ein Konzert stattfinden. Neben der Bösen-Onkelz-Coverband "Falsche Propheten" die Metalband "Kältetod" auf. "Kältetod" ist von der Besetzung her ein Nebenprojekt der Band "Bloodrevenge". Die Jungen Linken Lippstadt schreiben dazu:
Die Strategie der Neonazis von "Bloodrevenge" ist einfach und sie scheint aufzugehen: Unter dem Namen "Bloodrevenge" bzw. "Projekt Vril" tritt man auf den konspirativ organisierten Konzerten der Szene auf. Dort spielt man zusammen mit Rechtsrock-Größen wie "Oidoxie" oder "Hauptkampflinie". Die eigene politische Gesinnung muss man nicht verstecken.
In lokalen Gefilden allerdings wird bewusst das Pseudonym "Kältetod" gewählt. Auf den ersten Blick wirkt die Gruppe wie eine unpolitische Metalband, die lediglich mystisch aufgeladene, völkisch-heidnische Inhalte in gemäßigter Form propagiert. So versucht man Leute anzusprechen, die von allzu offensichtlicher Nazipropaganda vielleicht eher abgeschreckt wären.

Zum Glück wollen das einige Lippstädter nicht hinnehmen, wie die Jungen Linken weiter schreiben:
Gegen das geplante braune Musikspektakel regt sich aber Widerstand. Zur Zeit formiert sich ein Bündnis gegen Rechts, das zum Protest gegen das Rechtsrock-Konzert aufruft. Der Betreiber der Gaststätte "Zum Hubertus" wird aufgefordert, das Konzert abzusagen und in Zukunft Rechtsextremisten keinen Raum mehr zu bieten.
Um der Forderung den nötigen Nachdruck zu verleihen, findet eine antifaschistische Demonstration statt, die am 23.12. um 19 Uhr am Lippstädter Bahnhof beginnen wird.

Gerade dieser Versuch von Rechtsrock-Bands unter scheinbar unverfänglichem Namen öffentlich aufzutreten und dadurch eine größere Anzahl von Jugendlichen zu erreichen, sollte für AntifaschistInnen ein wichtiger Anlass sein ihren Widerstand in Lippstadt zu artikulieren.

Hier bestätigt sich wieder einmal: man muss sich für gewisse politische Dinge interessieren, ob man sie mag oder nicht. Denn ansonsten wird man schnell von anderen instrumentalisiert. und durchschaut das nicht einmal.


(Gefunden im Singvøgel Blog)

18.12.06

Pilzschule

An diesem Wochenende habe ich alte Freunde getroffen, mich bis halb fünf Uhr morgens unterhalten und viel gelacht. Am meisten gelacht habe ich über die Vorstellungen, die der Spruch: "Ich schicke Pilz X zu Pilz Y in die Schule" bei mir auslöste, wobei ich selbst nicht mehr weiss, wie das gemeint war.

12.12.06

Doch keine Verschwörung

Heute kam im Darmstädter Echo ein längerer Artikel über die neueste Untersuchung des Todes von Diana und Dodi. 15 Ermittler, angeleitet vom früheren Scotland-Yard-Chef Lord Stevens, haben drei Jahre lang jeden Aspekt untersucht. Ihr Ergebnis: es war ein Unfall. Anzeichen für einen Mord und/oder eine Vertuschungsaktion gibt es nicht. Lady Di war z.B. nicht schwanger, und der Fahrer Henri Paul hatte wirklich 1,74 Promille (und dazu noch Prozac und Triapide im Blut).

Wie gemein! Jetzt gibt es so schöne Verschwörungstheorien zum Tod von Lady Di, und alle wurden brutal zerstört! Aber noch ist nicht alles verloren. Denn nachdem der Bericht alle Verschwörungstheorien widerlegt, muss er offensichtlich selbst das Produkt einer Verschwörung sein :)
Wintermärchen-Con

Am Samstag war ich, wie bereits im letzten Jahr, zusammen mit Erik auf dem Wintermärchen-Con in Königstein/Taunus, wo wir wieder den Stand der Perry Rhodan FanZentrale machten.. Der Con war klein und gemütlich, die Zahl der Besucher nicht sehr hoch. Ich habe einige nette Gespräche geführt, u.a. mit Michael, dem Besitzer von Nimmys Horrorladen. Außerdem habe ich kurz eine Runde Starship Troopers Tabletop verfolgt. Aber besonders gefiel mir der parodistische Fanfilm "Star Wreck: in the Pirkinning" aus Finnland, in dem diverse SF-Serien wunderbar durch den Kakao gezogen wurden und den ich daher nur wärmstens empfehlen kann (Tipp: die deutschen Untertitel mit runterladen, der Film ist komplett auf finnisch).

An dieser Stelle ein fettes Lob an das Orgateam. Die Organisation war perfekt, das Essen war hervorragend und im Preis-Leistungs-Verhältnis praktisch unschlagbar. Ich freue mich bereits auf den Wintermärchen-Con 2007!

7.12.06

Rück gefälligst mein Klopapier raus!

Wenn ein Paar unverheiratet in einer Wohnung zusammenlebt und sich dann trennt, kann es u.U. schon einmal zu Auseinandersetzungen kommen in bezug auf gemeinsam angeschaffte Gegenstände. Bei wertvollen Dingen (wie etwa teuren Elektrogeräten, Einbauküchen etc.) ist das für mich verständlich. Aber heute fand ich im Weblog "Das interessiert doch wieder keine Sau" einen Fall, der hat es in sich. Hier wurden bei der Trennung sogar Anwälte eingeschaltet. In einem der Anwaltsschreiben findet sich laut Blog folgendes:
Sehr geehrter Herr *****,

unsere Mandantin hat uns eine weiterer Aufstellung über die ihr zustehenden Gegenstände hereingegeben. Diese überlassen wir anliegend in Kopie.Für die Herausgabe dieser weiteren Gegenstände setzten wir eine Frist auf den 29.11.06

Und dann geht es los:

- 2 x 24 Rollen WC-Papier
- 14 Rollen Zewa
- 15 Shampoo
- 17 Duschzeug
- 120 Konservendosen
- 30 Dosen Pilze
- 30 Dosen Kidney Bohnen
- 12 x WC Duft
- 70 P Soßenzusatz
- ….
Unglaublich: Diese Frau hat ernsthaft - und unter Einschaltung eines Anwalts - von ihrem Verflossenen 48 Rollen Klopapier zurückgefordert! Also mir wäre so etwas peinlich. Für mich ist das entweder ein Zeichen krankhaften Geizes oder extremen Spießertums. Oder die Frau ist wirklich so arm, dass sie sich den Hintern jetzt mit alten Zeitungen abwischen muss.

Die Liste liest sich übrigens so, als habe sich hier ein Survivalist-Pärchen getrennt. Welcher normale Mensch hat schon 30 Dosen Pilze, 30 Dosen Kidneybohnen, 70 Päckchen Soßenzusatz etc. pp. im Keller lagern?

Gefunden via Law Blog.

Billig

Ich bin seit Jahren Kunde der Firma X, die haben auch einige sehr gute Produkte. Die letzten davon habe ich im März dieses Jahres bestellt. Die Bestellung kam gestern per Post. Gestern abend kriegte ich um kurz nach halb sieben, als ich auf dem Heimweg war, einen Anruf übers Handy. Den Namen des Anrufers habe ich nicht verstanden, und zunächst auch nicht, was er wollte, da schlechter Empfang. Ich verstand nur er habe "meine Unterlagen erhalten". Ich fragte zurück, ob es um ein Projekt ginge (Unterlagen = Lebenslauf), aber dann sagte er, er sei von der Firma X. Auf meine Nachfrage hin erklärte er, er sei nicht vom Vertrieb, sondern von der "Kundenbetreuung". Seine Abteilung hätte mich noch nie besucht, und er wolle mir "neue Unterlagen" vorbeibringen, da er heute sowieso in Darmstadt sei. Ich habe ihm gesagt, dass ich einen Termin hätte und darüber hinaus 50-60 Stunden die Woche arbeiten müsse (beides stimmte), und ob er mir die Unterlagen nicht einfach in den Briefkasten werfen oder per Post zuschicken könne. Daraufhin behauptete er, das ginge nicht, es hätten sich "Vertragsbestimmungen geändert" (eventuell sprach er von "Konditionen", die genaue Formulierung ist mir entfallen). Als ich rückfragte, was sich genau geändert habe, sagte er, das könne er am Telefon nicht so genau sagen. Er komme aus dem Saarland, sei nur heute abend in Darmstadt. Ich sagte nochmal, dass ich keine Zeit hätte, dass meine Zeit für den Rest des Jahres auch knapp wäre, und wünschte ihm frohes Fest und guten Rutsch (damit wollte ich zu verstehen geben, dass ich von ihm bis Ende des Jahres nicht mehr belästigt werden möchte). Das wars.

Heute morgen habe ich bei der Firmenzentrale angerufen und die Informationen überprüft. Die Mitarbeiterin dort hat auf meine Frage hin angegeben, dass sich an den Vertragskonditionen nichts geändert habe (hätte mich auch sehr gewundert, da die Verträge vom März dieses Jahres stammten, s.o.).
Darüber hinaus hat sie mir bestätigt, dass der Herr (dessen Namen ich, wie oben gesagt, leider nicht kenne) wohl ein Außendienstler gewesen sein müsse, und dass er mir vermutlich neue Produkte vorstellen wollte, und diese wohl auch verkaufen wollte. Ha! Habe ich es mir doch gedacht! Ich habe daraufhin meine Adresse erst einmal bis Ende 2007 sperren lassen, damit ich bis dahin keine Anrufe mehr von diesem Herrn oder seinen Kollegen erhalte.

Es ist unglaublich, mit was für leicht zu durchschauenden Methoden dieser Vertriebsmensch (das war er wohl) gearbeitet hat. Gut, ich kann verstehen, dass er seine Umsatzziele hat. Mir ist auch bekannt, dass es bei manchen Firmen Verpflichtungen gibt, pro Woche soundsoviele Kunden zu besuchen. Aber diesen Anruf empfinde ich als dummdreist und billig. Ich bin als Selbstständiger selbst in gewisser Weise vertrieblich tätig (ich verkaufe quasi "mich selbst"), aber ich würde es mir niemals erlauben, meine Kunden unter so einem billigen Vorwand aufsuchen zu wollen.

Naja, erst einmal habe ich von denen meine Ruhe.

4.12.06

arte zeigt die Singvøgel

Am 7. Dezember um 23:30, also nächsten Donnerstag, zeigt arte die Singvøgel in der Sendung tracks. Hier ein kleiner Vorgeschmack..

Vollmond



Und wieder mal kann ich nur schlecht schlafen.

Hey Wolf Moon, come cast your spell on me...
(Peter Steele)

2.12.06

Geld verdirbt nicht den Charakter

In einem Diskussionsbeitrag zu einem Blogeintrag bei Jens kam von einem gewissen "Armitage" der Kommentar:
Geld verdirbt den Charakter
Sven wandte darauf ein:
Geld verdirbt den Charakter nicht - was sollten auch ein paar Stück Papier großartiges "tun" können. Dieser Glaubenssatz ist IMO allein dafür erdacht worden, dafür zu sorgen, dass Leute ohne solches auch (ohne aufmucken) ohne bleiben.

Geld kann allerdings durchaus dem Charakter Möglichkeiten eröffnen, sich deutlicher zu zeigen...
Ich habe mir in den letzten Tagen darüber Gedanken gemacht, wie dieses Sprichwort zustandegekommen sein mag.

Beginnen möchte ich mit Svens letztem Satz. Ihn sehe ich als richtig an. Jeder Mensch hat seine Spleens und Marotten. Ein reicher Mensch kann diese wesentlich gründlicher ausleben als ein armer. Zum Beispiel träumen sicher viele Menschen davon, auf einer Burg zu leben (oder in einem Schloss); ich gebe zu, dass mir das auch gefallen würde :) . Die meisten sind aber weit davon entfernt, sich ein Schloss zu leisten. Die Anschaffung alleine wären u.U. kein Hinderungsgrund: in den neuen Bundesländern kann man teilweise Schlösser für einen Euro erwerben. Aber die Unterhaltskosten sind immens, von der oftmals notwendigen Renovierung ganz zu schweigen. Für einen reichen Menschen wäre das alles aber kein Hinderungsgrund, wie das Beispiel König Ludwigs von Bayern zeigt. Letzter hat sich sogar gezielt Schlösser nach seinen Vorstellungen bauen lassen. Den Traum vom Märchenschloss hätte König Ludwig (um bei dem Beispiel zu bleiben) sicher aber auch gehabt, wenn er nicht reich gewesen wäre; nur hätte er diesen Traum nicht umsetzen können.

Ein weiterer Effekt ist die gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Reiche Leute stehen in Sachen Klatsch und Tratsch oftmals im Mittelpunkt und sind über die Grenzen ihres Wohnorts hinaus bekannt. Durch die modernen Massenmedien wird dieser Effekt noch verstärkt. Daher fallen bei einem reichen Menschen irgendwelche Spleens eher auf als bei einem "armen". Beim letzteren mag ein Spleen zwar Dorfgespräch sein und sich eventuell sogar in die Nachbardörfer herumsprechen, aber viel weiter reicht es nicht.

Durch beide Effekte zusammen entsteht also der Eindruck, dass reiche Leute sich besonders oft "daneben benehmen", häufiger als Durchschnittsbürger. Naiv gesehen entsteht so der Eindruck, dass Geld den Charakter verdirbt.

Ein weiteres Element ist die Tatsache, dass das Christentum zumindest vordergründig Armut gepredigt hat (inwiefern sich die jeweiligen Kirchenfürsten daran gehalten haben, steht auf einem anderen Blatt..). Dadurch erschien vielen Menschen Armut als etwas besonders frommes oder gar erstrebenswertes. Reichtum dagegen wurde negativ gesehen.

Alles zusammengenommen gehe ich davon aus, dass die Redensart "Geld verdirbt den Charakter" auf "natürliche" Art und Weise (anders ausgedrückt: von selbst) entstanden ist, und nicht gezielt von Reichen erdacht wurde, wie Sven es oben formuliert hat. Natürlich wurde die Redensart, nachdem sie entstanden war, durchaus gezielt gefördert, um die Armen davon abzuhalten, aufzumucken. Aus demselben Grund wurde in der Vergangenheit von den Kirchen immer wieder betont, wie positiv Armut doch sei.