28.10.06

Von falscher und echter Toleranz


Im heutigen Darmstädter Echo findet sich auf Seite 5 ein Artikel über das neue Buch von Henryk M. Broder; der Artikel ist auch online verfügbar. Broder ist mir bereits seit längerem bekannt als streitbarer Geist u.a. gegen Philo- und Antisemitismus. Ich schätze seine Ausführungen, weil sie recht deutlich formuliert sind, obwohl ich nicht immer einer Meinung mit Broder bin.

Sein neuestes Buch "Hurra wir kapitulieren" beschäftigt sich mit der oft zu ängstlichen Reaktion des Westens auf den Islamismus. Der Artikel schreibt dazu:
Die Islamisten hätten eine ?Kultur der Angst“ erzeugt, der sich der Westen bereitwillig beuge. Etwa wenn die Mainzer Karnevalisten den Kotau vor radikalen Muslimen machen, weil in einer Fastnachtsrede der Vers über Islamisten fiel. Wenn Künstler Werke zurückziehen, in denen eine Moschee vorkommt. Oder wenn sich eine Sparkasse entschuldigt, weil sie 30 000 Bälle an Kinder verteilte - unter anderem mit der Flagge des WM-Teilnehmers Saudi-Arabien darauf.
Als weiteres Beispiel möchte ich das Streichen der Aufführung der Mozartoper Idomeneo nennen, das in vorauseilendem Gehorsam gegenüber potenziellen islamistischen Attentätern erfolgte, obwohl keinerlei Drohungen vorlagen.

In diesem Punkt gebe ich Broder recht: vorauseilender Gehorsam gegenüber religiösen Extremisten ist völlig falsch. Ein solcher vorauseilender Gehorsam läuft letzten Endes darauf hinaus, dass die religiösen Extremisten bestimmen, was gespielt wird und was nicht. Das wäre das Ende unserer freiheitlichen Kultur.

Zu einem anderen Punkt schreibt Broder:
?Völlig zu Recht halten die islamischen Fundamentalisten den Westen für schwach, dekadent und nicht einmal bedingt abwehrbereit“, schreibt Broder. ?Wer als Reaktion auf Geiselentführung und Enthauptungen, auf Massaker an Andersgläubigen, auf Ausbrüche kollektiver Hysterie mit der Forderung nach einem ?Dialog der Kulturen‘ antwortet, hat es nicht besser verdient.“
Ich schlage hier eine Art Doppelstrategie vor: einerseits einen Dialog mit gemäßigten, nicht-fanatischen Moslems - die innerhalb der islamischen Welt nach wie vor in der Mehrheit sind. Andererseits müssen politisch-religiöse Extremisten energisch bekämpft werden, frei nach meinem Leitsatz: Keine Toleranz der Intoleranz. Mit Fanatikern kann man sowieso nicht diskutieren, da sie absolut argumentationsresistent sind.

In einem anderen Punkt muss ich Henryk M. Broder direkt widersprechen:
Die Idee, man könnte dem Terror nur mit rechtsstaatlichen Mitteln beikommen, übersteigt die Grenze zum Irrealen
Wie schon der Autor des oben zitierten ECHO-Artikels frage ich mich hier: wie kann man den Rechtsstaat verteidigen, wenn man ihn gleichzeitig aufgibt? Einrichtungen wie Guantanamo Bay, die genau nach diesem Prinzip errichtet wurden, sind der falsche Weg.

1 Kommentare:

Anonymous MartinM meinte...

Eine gute Ergänzung ist die in der "Zeit" erschienen Gastvorleseung, die Wolf Biermann in Jerusalem und Haifa hielt:

http://www.zeit.de/2006/44/Biermann?page=all
Das romantische Verständnis der Deutschen für die Islamisten im Nahostkonflikt hat aber Gründe. Sie halten Araber für affige Wilde, für unmündige Menschen dritter Klasse, an die man noch keine aufklärerisch-humanen Maßstäbe anlegen darf. Die Zuneigung der Deutschen ist eine Art von vormundschaftlicher Verachtung. Der schwärmerische Respekt vor dem Fremdländischen ist nur Bequemlichkeit und Hochmut. Ich sehe im Multi-Kulti-Geschwärme meiner alternativen Zeitgenossen die seitenverkehrte Version des Rassendünkels von gestern.
Da spricht mir der alte Polit-Barde aus dem Herzen.

Voll zustimmen kann ich auch dem:
Slogan »Die Juden sind an allem schuld« ist offenbar so unausrottbar wie das dumme Vorurteil, daß alle Juden besonders intelligent sind. Die Juden waren und bleiben auch nach Meinung des gebildeten Elite-Packs an allem schuld. Schuld sind die Juden am Amoklauf der bombenumgürteten Selbstmordmörder der Hamas und der Hisbollah. Die jüdischen Neo-Cons in New York haben den bigotten Simpel George W. Bush in den Krieg gegen den Diktator Saddam Hussein getrieben. Die Juden sind durch ihre globale Machtpolitik schuld an der Atombombenproduktion Irans. Der Geldjude treibt im Börsengeschäft mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) die armen Länder immer tiefer in die Schuldenfalle. Diese Idioten-Logik gilt auch für gebildete Schwachköpfe, die jüdischen Kriegsgewinnlern die Schuld dafür geben, daß die deutschen Steuerzahler jetzt teure Kriegsschiffe in den Libanon schicken müssen. Die überchochmetzte Variante: Wir müssen die Juden schützen vor den Juden.

10:40 AM  

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