Roman Polanski freigelassen

Posted by Volkmar on 13th Juli 2010 in Allgemein, Kino

Eine weitere gute Nachricht traf gestern ein: Roman Polanski wurde von der Schweizer Justiz auf freien Fuß gesetzt; er wird nicht an die USA ausgeliefert.

Ursache des Auslieferungsantrages der USA ist ein Delikt aus dem Jahre 1977: Polanski soll ein damals 13 Jahre altes Mädchen unter Drogen gesetzt und anschließend vergewaltigt haben. Polanski bekannte sich schuldig und saß dafür eine Gefängnisstrafe von 42 Tagen im Gefängnis von Chino ab. Laut seiner Darstellung soll der zuständige Richter ihm zugesagt haben, dass die Tat mit dieser Strafe abgegolten sei.

Nachdem Polanski jedoch aus dem Gefängnis entlassen wurde, änderte der Richter plötzlich seine Meinung. Polanski verließ daraufhin fluchtartig die USA und ist seitdem nicht mehr dorthin zurückgekehrt. Die USA stellten einen internationalen Haftbefehl auf ihn aus, der Ende September 2009 – bei Polanskis Einreise in die Schweiz - vollstreckt wurde. Seitdem saß Polanski in Schweizer U-Haft (ab Dezember 2009 mit elektronischer Fußfessel in seinem Chalet). Für Polanskis Freilassung setzten sich einige seiner Regiekollegen ein. Und nicht nur sie: Das Opfer des Verfahrens, die heute 46 Jahre alte Samantha G., bat darum, das Verfahren einzustellen, da es für sie und ihre Familie eine Belastung darstelle.

Um Polanskis Behauptung in Bezug auf die Zusage des Richters überprüfen zu können, hatte die Schweizer Justiz vom zuständigen Staatsanwalt Roger Gonsun (USA) entsprechende Protokolle angefordert. Dieser Anforderung kamen die US-Behörden jedoch nicht nach, so dass die Schweizer Justiz letzten Endes “im Zweifel für den Angeklagten” entschied.

Ich begrüße die Schweizer Entscheidung. Ohnehin kann ich das Verhalten der US-Staatsanwaltschaft in diesem Fall nicht verstehen. Meiner Ansicht nach hätte man das Verfahren in dem Moment, in dem das Opfer darum bat, einstellen müssen. Ich habe den Verdacht, dass Staatsanwalt Mr. Gonsun das Verfahren gegen Polanski deshalb so vehement betrieben hat, weil er Polanski als Symbol für Libertinage und sexuelle Freizügigkeit sah, beides Dinge, die für einen Konservativen wie ihn (Gonsun) offenbar die reinsten Greuel sind.

Ich selbst schätze Polanskis Leistungen als Regisseur hoch ein, besonders “Tanz der Vampire” und “Die neun Pforten“. Erst vor ein paar Wochen genoß ich seinen neuesten Film “The Ghostwriter” im Kino.

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