9. Nürnberger Autorentreffen

Posted by Volkmar on 18th Mai 2012 in Autor

Ein berühmter Oxforder Sprachwissenschaflter und Autor verfaßte im letzten Jahrhundert ein umfangreiches Werk, in dem die Zahl Neun eine wichtige Rolle spielt: Neun Gefährten zogen los, um ein magisches Artefakt zu entsorgen, neun böse Feinde stellten sich ihnen entgegen. Beim neunten Nürnberger Autorentreffen wurde in einem Vortrag der “Herr der Ringe” auch kurz erwähnt.

Da in Nürnberg leider kein bezahlbares Hotelzimmer mehr zu bekommen war, reiste ich am Morgen des Treffens mit der Bahn an, und mußte daher bereits um fünf Uhr aufstehen (grusel). Kurz nach neun traf ich am Nürnberger Gewerbemuseum ein, in dessen Fabersaal auch dieses Treffen stattfand. Dort wurde ich bereits herzlich begrüßt von Ursula Schmid-Spreer, und freute mich auch, einige alte Bekannte wiederzusehen.

Pünktlich um halb zehn begann Ursula mit ihrer Einleitung, in der auch ich – als “Stammteilnehmer” besonders erwähnt wurde (zusammen mit meinen Pocketgeiern und meinen Nagern, die allerdings logischerweise nicht dabei waren :) ). Danach begann der erste Vortrag von Bettina Wörgötter, Lektorin beim Paul Zsolnay Verlag. Sie sprach über “Wie ticken VerlegerInne und womit überzeuge ich sie?”. Darin gab es einige Tipps für Autoren über den Umgang mit Verlagen. Das beginnt bereits bei der Suche nach dem richtigen Verlag: Wo passt mein Werk am besten rein. Danach gab es noch jede Menge Tipps, welche Informationen ins Anschreiben sollen und wie eine Textprobe aussehen sollte. Ein Schwerpunkt des Vortrags war das richtige Exposé. Bettin Wörgötter hatte zwei abschreckende Beispiele dabei, wie man es auf keinen Fall machen sollte (eins davon zu kurz, eins davon viel zu langatmig). Eine weitere Frage ist die des Titels eines Buches. Dieser wird fast immer vom Marketing geändert. Insgesamt gab es in diesem Vortrag sehr viele Hinweise, die ich für sehr wertvoll erachte. Die vielen Zwischenfragen aus dem Publikum bewiesen, dass das Thema auf sehr großes Interesse stieß.

Zum Mittagessen ging es diesmal in das O’Sheas, einen urigen Irish Pub, der sich praktischerweise gleich um die Ecke befindet. Dort genoß ich ein leckeres “Bunratty Castle Stuffed Pork”, das ich nur empfehlen kann.

Nach dem Essen kam ein von mir mit Spannung erwarteter Vortrag von Titus Müller über genau dieses (Spannung). Titus begann mit einem Kindheitserlebnis, das wohl die meisten kennen: Die Spannung am Weihnachtsabend, welche Geschenke es gibt. Darauf aufbauend leitete Titus elegant über zum Thema Spannung in Romanen. Dabei nannte er unter anderem zwölf Methoden, Spannung zu erzeugen. Die meisten davon erläuterte er näher durch Beispiele (wenn ich mich recht erinnere, kam hierbei auch einmal der “Herr der Ringe” zur Sprache). Auch diesen Vortrag fand ich sehr lehrreich und inspirierend.

Der dritte Vortrag wurde gehalten von Angelika Frey. Unter dem Titel “Nehmen Sie Haltung an, Madame!” geht es um die Frage, was eine Romanfigur für den Leser interessant macht. Dabei begann Angelika Frey mit der altbekannten AIDA-Formel (attention, interest, desire, action) und untermauerte das Ganze biologisch. Simpel formuliert: Aufmerksamkeit beginnt im Hirnstamm, und setzt sich dann fort über das Limbsche System ins Großhirn. Wie aber wird der Leser auf eine Romanfigur aufmerksam? Man würde denken, es sind die Eigenschaften. Angelika Frey zeigte jedoch, dass diese irrelevant sind. Vielmehr kommt es auf die Haltungen einer Figur an. Hierzu brachte die Vortragende als Beispiel eine Figur: Roswitha, Steuerfachgehilfin, 32 Jahre, verheiratet. Zu ihren Eigenschaften gehört rasende Eifersucht. Schreibt man jedoch in einen Roman “Roswitha war eifersüchtig”, interessiert das so niemanden. Aus dieser Eifersucht jedoch resultiert eine Haltung Roswithas: “Mein Mann gehört mir!” Diese Haltung wiederum kann man gut in Romanszenen umsetzen – etwa in eine Auseinandersetzung mit einer (realen oder eingebildeten) Nebenbuhlerin. So ist das Interesse eher geweckt als mit einer simplen Eigenschaft.

Haltungen alleine machen aber keinen Roman aus. Zusätzlich zur Haltung sollte eine Figur noch ein Ziel haben, idealerweise eins, das mit der Haltung nicht so einfach in Einklang zu bringen ist. Ein Beispiel hierfür wäre Sam Gamgee aus dem “Herrn der Ringe”. Zu seinen Haltungen gehört die Liebe zu Rosie Hüttinger, die er heiraten möchte, sowie eine starke Sympathie für das Auenland. Kurz nach dem Beginn des “Herrn der Ringe” jedoch bekommt er von Gandalf ein neues Ziel: Seinem “Herrn” Frodo zu helfen bei der Vernichtung des Rings. Dazu muss er Rosie Hüttinger im Auenland zurück- und das Auenland selbst verlassen. An einer Stelle beschwert er sich lauthals darüber, aber folgt dennoch seinem Ziel.

Soviel zum Thema “Haltung”. In diesem Blogeintrag kann ich natürlich nicht alle Details des Vortrags wiedergeben.

Das Abendessen fand statt im Barfüßer in der Innenstadt. Diesmal hatte ich dort einen leckeren “Barfüßer Brotzeitteller”. Die Verteilung des Essens klappte übrigens hervorragend.

Danach begab ich mich zum Bahnhof, wo der ICE schon bald auf mich wartete.

Insgesamt war es ein wunderbares Treffen. Herzlichen Dank an Ursula Schmid-Spreer und an Heinz Spreer (ihren Ehemann), die Veranstalter, ohne die es dieses wunderbare Treffen nicht geben würde! Und auch Dank an die Vortragenden. Ich freue mich schon “wie die Sau” auf das Autorentreffen 2013 (das zehnte übrigens).

2 Responses to “9. Nürnberger Autorentreffen”

  1. Angelika Frey Says:

    Eine sehr schöne Zusammenfassung des Autorentreffens. Allerdings muss ich eine kleine Korrektur anbringen: Das Interesse springt vom Hirnstamm nicht ins Kleinhirn, sondern ins Limbische System, also ins “Gefühlsgehirn”. Das Kleinhirn ist für gewisse Bewegungssteuerungen, Koordination und Gleichgewicht zuständig und hat daher mit der Entstehung von Interesse nichts zu tun.

  2. Volkmar Says:

    Danke für den Hinweis. Habe es korrigiert.