Pioneer-Anomalie erklärt

Posted by Volkmar on 29th April 2011 in Astronomie, Physik, Raumfahrt, Wissenschaft

Vor viereinhalb Jahren bloggte ich über die sog. “Pioneer-Anomalie“. Diese “Anomalie” besteht in einer damals unerklärlichen, wenn auch winzigen Bremskraft, die auf die Raumsonden Pioneer 10 und 11 gleichermaßen zu wirken scheint. Diese Kraft war mit (8,74 ±1,33) · 10−10 m/s² winzig und konnte daher erst festgestellt werden, nachdem die beiden Sonden im Außenbereich des Sonnensystems, in dem der Strahlungsdruck der Sonne noch kleiner ist, unterwegs waren.

Um diese Kraft zu erklären, entstand eine Reihe von Theorien. Als Ursache wurden darin neben der Sonde selbst auch Auswirkungen des Sonnensystems sowie mögliche kosmologische Effekte genannt. Der deutsche Wikipedia-Artikel listet die meisten dieser Theorien auf.

Nun scheint jedoch eine Erklärung für die Pioneer-Anomalie vorzuliegen.

In seinem Weblog “Go for Launch” berichtet Michael Khan über zwei neue Arbeiten, die sich beide mit der Modellierung der Reflexion und der thermischen Abstrahlung beschäftigten. Die erste der Arbeiten (von Francisco, Bertolami, Gil und Parámos aus verschiedenen Instituten in Portugal) benutzten eine Methode namens Phong Shading (Phong-Schattierung), um die thermische Abstrahlung zu berechnen. Einen anderen mathematischen Ansatz wählten Benny Sievers und Claus Lämmerzahl vom ZARM an der Universität Bremen, sie benutzten die Methode der finiten Elemente bei ihren Berechnungen. Beide Arbeiten kommen zum selben Schluss: Durch genauere Modellierung kann die auf die Pioneer-Sonden wirkende Bremskraft als Auswirkung der thermischen Abstrahlung der Sonden erklärt werden. Mit anderen Worten: Die Pioneer-Anomalie ist keine mehr.

Wer wissenschaftliche Rätsel liebt, der mag diese Entwicklung bedauern. Für mich jedoch ist das normale wissenschaftliche Forschung, da gehört es dazu, dass Rätsel eines Tages gelöst werden.

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