Nürnberger Autorentreffen 2010

Posted by Volkmar on 15th Mai 2010 in Autor, Bücher, Kultur, fiction

Ursula Schmid-Spreer, die Organisatorin des Treffens, bei der Begrüßung

Das achte Autorentreffen wurde, wie die sieben vorher, organisiert von Ursula Schmid-Spreer, wobei ihr Ehemann Heinz Spreer als “Graue Emminenz” tatkräftig mithalf. Oben ist sie bei der Begrüßung zu sehen.

Diesmal gab es, wie üblich, außer Titus Müller zwei weitere Referenten: Oliver Pautsch und Klaus N. Frick.

Ein Muster-Drehbuch

Oliver Pautsch, von Beruf Drehbuchautor, zeigte anschaulich, was den Unterschied zwischen einem Drehbuch und einer Kurzgeschichte bzw. einem Roman ausmacht. Er las die Story “Ein einfacher Auftrag” vor und zeigte anschließend den gleichnamigen Kurzfilm, der nach dieser Geschichte entstand. Dadurch wurde deutlich, dass zwischen Kurzgeschichte und Drehbuch sich aufgrund des Mediums Film Änderungen ergeben. So muss etwa in der Geschichte eine Fee auf jemand warten und legt sich dazu auf ein Sofa. Im Film wurde auf das Sofa verzichtet, weil es langweilig gewirkt hätte. Außerdem gab es eine Kopie der ersten Drehbuchseiten sowie der ersten Storyboardseiten als Handout.

Der Film “Ein einfacher Auftrag” gewann übrigens den Studenten-Oscar 1997.

Das Mittagessen war diesmal im Barfüßer, einer Hausbrauerei, die ein leckeres Essen bot. Mein Tischnachbar Gerhard aß fränkischen Sauerbraten in Lebkuchensosse, das habe ich mir gemerkt fürs nächste Jahr.

Titus Müller beim Vortrag

Nach dem Essen kam der Vortrag von Titus Müller. Sein Thema war “Die Szene im Roman”. Dabei gab er sehr viele wertvolle Tipps, wie eine Romanszene lebendig und spannend gestaltet werden kann. Ein Teil war zwar eine Wiederholung aus Vorträgen, die er bei früheren Nürnberger Autorentreffen gehalten hatte – aber genau diese Wiederholungen gehörten für mich zu den wichtigsten Teilen des Vortrags. So erwähnte er etwa wieder, dass jede Szene möglichst aus der Sicht einer in der Szene aktiv handelnden Figur erzählt werden sollte. Dazu kommt die Verwendung “konkreter” Wörter, sprich: der Verzicht auf abstrakte Begriffe. Ein Beispiel: “Hund” ist abstrakt, dagegen hat der Leser beim Wort “Rauhaardackel” sofort ein konkretes Bild vor Augen. Dies ermöglicht es dem Leser, in eine Szene “einzutauchen”, sie im Idealfall beim Lesen quasi mitzuerleben.

Klaus N. Frick wird von Ursula Schmid-Spreer angesagt

Der letzte Vortrag wurde gehalten von Klaus N. Frick zum Thema “Fantasy”. Er ergänzte ihn um einen Handout, in dem unter anderem die verschiedenen Subgenres kurz definiert sind. Außerdem enthält der Handout eine Liste der nach Klaus’ Meinung wichtigsten Fantasyromane (natürlich ist diese Liste, wie er selbst betonte, rein subjektiv).

Im Vortrag schilderte Klaus Frick kurz die Lage der Fantasy in der heutigen Verlagslandschaft. Das beinhaltete unter anderem den Hinweis, dass derzeit gute (sprich aus Verlagssicht: gut verkaufbare) Fantasy stark gesucht wird. Ein aktuelles Thema sind “dunkle Engel”, aber auch Werwölfe als mögliche Nachfolger der Vampire werden genannt.

Klaus lockerte seinen Vortrag mehrfach auf durch Anekdoten aus seinem beruflichen Alltag als Redakteur. Darunter fiel zum Beispiel der Bericht von seiner Tätigkeit als Juror beim Heyne-Wettbewerb “magischer Bestseller”, bei dem Klaus einen Roman trotz des schlechten Anfangs (siehe vorheriger Blogeintrag) weiterlas bis auf Seite zwei mit dem Kommentar: “Ich bin ja leidensfähig”. Diese Anekdoten lockerten den Vortrag sehr gut auf.

Helferlein

In der Vortragspause gab es eine Runde Sekt sowie für jeden ein “kleines Helferlein”, das nach dem Vorbild von Daniel Düsentriebs Helferlein beim Schreiben als Inspiration dienen soll. Ich fand und finde diese Idee hervorragend und habe mein Helferlein an der Schreibtischlampe befestigt.

Abends gab es noch ein leckeres Essen im Irish Pub “O’Shea”, der gleich um die Ecke lag.

Insgesamt haben sich alle drei Vorträge für mich gelohnt. Ich freue mich daher schon jetzt auf das Autorentreffen 2011.

2 Responses to “Nürnberger Autorentreffen 2010”

  1. Petra Hartmann Says:

    Hallo Volkmar,

    es war schön, dich mal wieder zu sehen. Ich hab mir Nürnberg für das nächste Jahr auch schon notiert. Meine Nachlese zum Treffen gibt es hier:
    http://www.scifinet.org/scifinetboard/blog/petrahartmann/index.php?showentry=4201#comments

    Bis zum nächsten Mal

    Petra

  2. The Eoraptor Log » Blog Archive » Fränkischer Sauerbraten Says:

    [...] Zeit nach dem Nürnberger Autorentreffen erhielt ich ein überraschendes Päckchen mit einem Rezept für fränkischen Sauerbraten und zwei [...]