Bannstrahl für “Money for Nothing” oder Ein weiterer Fall von political hyper-ccorrectness

Posted by Volkmar on 17th Januar 2011 in Allgemein, Kultur, Musik, Politik, Video

Heute habe ich über laut.de erfahren, dass der Dire Straits-Klassiker “Money for Nothing” nach dem Willen des “Canadian Broadcast Standard Counsil” nicht mehr in kanadischen Radiosendern gespielt werden soll:

Im Song werde dreimal das Wort “faggot” verwendet, das wegen Verstoßes gegen die kanadischen Menschenrechte nun aus dem Text entfernt werden sollte, heißt es in dem veröffentlichten Beschluss.

In der Meldung heißt es weiter, dass die Kommission sehr wohl wisse, dass das Wort “faggot” 1985 (als der Song veröffentlicht wurde) sarkastisch gemeint war; aber heutzutage sei das Wort nicht mehr akzeptabel. Kanadische Radiosender dürften daher nur noch eine bereinigte Version von “Money for Nothing” abspielen.

Ich halte diese Entscheidung für falsch und werde dies nun begründen.

Eins vorab: Auch ich bin der Meinung, dass schwulenfeindliche Songs nichts im Radio verloren haben. Aber: Ist “Money for Nothing” wirklich gegen Homosexuelle gerichtet?

Werfen wir einen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Songs, wie sie in der englischsprachigen Wikipedia wiedergegeben ist: Mark Knopfler, der Autor des Textes, besuchte eines Tages in New York einen Haushaltsgeräteladen. An der Rückwand des Ladens befanden sich mehrere Fernseher, die alle auf MTV eingestellt waren. Vor dieser Wand stand ein Mann in Arbeitsstiefeln, bekleidet u.a. mit einer Baseballmütze und einem karierten Hemd, der offensichtlich ein paar Geräte im Laden abgeliefert hatte. Dieser Mann betrachtete fasziniert MTV und gab dabei diverse Kommentare wie etwa “what are those, Hawaiian noises?…that ain’t workin” von sich. Mark Knopfler lieh sich einen Stift und notierte diese Kommentare. Aus ihnen entstand “Money for Nothing”.

Das Lied selbst wird erzählt aus der Sicht des oben beschriebenenen Mannes im karierten Hemd. Er betrachtet die Rockstars in den Videos und beneidet sie nach dem Motto: “Die kriegen Geld ohne Arbeit und Mädchen umsonst” (“Money for nothing and chicks for free”), und das alles “nur für ein bißchen Gitarre auf MTV spielen”. Mark Knopfler umschrieb den Erzähler des Songs folgendermaßen:

The singer in “Money for Nothing” is a real ignoramus, hard hat mentality – somebody who sees everything in financial terms. I mean, this guy has a grudging respect for rock stars. He sees it in terms of, well, that’s not working and yet the guy’s rich: that’s a good scam. He isn’t sneering.

In diesem Kontext ist auch das Wort “faggot” zu sehen. Es dient zur Abrundung des Bildes, das Mark Knopfler uns vermitteln will: Der Erzähler ist ein ignoranter, homophober Dummbatz. Die von diesem Dummbatz vertretene Ansicht, Rockmusiker würden ihr Geld für nichts bekommen, ist offenkundig Unsinn. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Songs (1985) war Mark Knopfler bereits acht Jahre mit den Dire Straits aktiv und wußte daher aus eigener Erfahrung, dass das Dasein als Rockstar sehr wohl jede Menge harter Arbeit umfaßt, dass Rockmusiker also – entgegen der landläufigen Meinung – kein “Money for Nothing” bekommen.

Mit Homophobie oder gar Schwulenfeindlichkeit hat Mark Knopfler, wie man nun sehen kann, nichts am Hut. Im Gegenteil: Der schwulenhassende Erzähler wird explizit als Idiot dargestellt. Allenfalls könnte man – bei einer etwas böswilligen Interpretation – eine “Verachtung der Arbeiterklasse” o.ä. aus dem Song herauslesen. Mir ist aber kein Arbeiter bekannt, der gegen “Money for Nothing” aus diesem Grunde protestiert hätte.

Fazit: Eine Sperrung von “Money for Nothing” fürs Radio aufgrund eines Wortes halte ich für falsch, da eine solche Sperrung die Intention des Songautors verkennt. Insofern halte ich die Entscheidung des “Canadian Broadcast Standard Counsil” für einen Fall von überzogener PC (“political hyper-correctness”).

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